PLEINAIR-MALEREI HEUTE!

Galerie Zehntscheune, Bad Homburg

29. Juni 2014 - 03. August 2014
Ewiger Sommer – der Künstler Christoph Bouet stellt zurzeit in der Zehntscheune in Ober-Erlenbach aus. Foto: saj

Maler Christoph Bouet: Ein Farbenmeer, das spontane Überwältigung auslöst

Taunus Zeitung 1.7.2014 Von Martina Dreisbach

In seinen Landschaftsbildern feiert der Maler Christoph Bouet ein Fest der Farben. Die Galerie Zehnscheune stellt seine neusten Gemälde aus. Manche müssen noch trocknen.

Ein Hauch von Ölfarbe empfängt die Gäste in der Galerie Zehntscheune. Dieser sommerliche Sonntagmorgen strotzt vor Sinneseindrücken, innen wie außen. Am Gemäuer der Scheune blühen Rosen, in den Bildern von Christoph Bouet blühen alle Blumen in allen Farben. Ewiger Sommer, festgehaltene Augenblicke, in scheinbar ungezügelter Farbmengen gebannt, die sich auf der Leinwand kräuseln wie ein bewegtes Meer.

Das jüngste der 16 großformatigen Pleinair-Gemälde lehnt an der Wand, genau in Kniehöhe, zu der sich Bouet beim Malen hinabbeugt. Es stammt vom Vortag und zeigt den Bad Homburger Schlossgarten. Der Blick auf die Landschaft muss frei bleiben. Der 1976 in Halle an der Saale geborene Maler fasst die Unmittelbarkeit des Augenblicks in Farbe.

Das Galeristenehepaar Boderke stellt den ostdeutschen Maler zum dritten Mal aus. Die Homburger kennen seine Werke von Ausstellungen in der Englischen Kirche. Sie verkaufen sich rasend gut, wie Marlies Boderke den Gästen erzählt – so schnell, dass diese Schau mangels Masse zunächst verschoben werden musste. Wer einen Bouet erwirbt, kauft das Odeur der Ölfarbe mit. Zwei Jahre dauere es, bis die üppige Farbe endgültig getrocknet sei. Reimund Boderke erklärt, was den Betrachter erwartet: spontane Überwältigung, der Kontrast von Nah- und Fernsicht aufs Bild, der Materialaufwand und der Vorteil gegenüber konventioneller Landschaftsmalerei. Bouet bilde nicht vorrangig das Motiv ab, sondern spiele mit Lichtreiz, Stimmung und Farbklang. Schmutzfarben, die bei konventioneller Landschaftsmalerei wegen der Anmischung vieler Farbe vorkommen, blieben aus, weil Bouet die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand drücke und dann die farblichen Akzente schaffe. Aus der Nähe dominiert das Spiel mit den Farben, mit etwas Entfernung eröffnet sich das Motiv, etwa das Hochwasser im brandenburgischen Biederitz, das Holzboot in Althagener Hafen – oder die Glienicker Brücke. Unverkennbar fängt Christoph Bouet die geschwungenen grünlichen Brückenbögen ein und hängt die bewegte Geschichte dieses Orts in Farbmassen an das Bauwerk.