NEUE BILDER 2012

Galerie Himmelreich, Magdeburg

03.Juli 2012 - 03. August 2012

Geradlinig und mit kräftigem Strich

Volksstimme
16.07.2012
Klaus-Peter Voigt

Es riecht kräftig nach frischer Ölfarbe. In den Räumen der Galerie "Himmelreich" macht sich Atelieratmosphäre breit. Einige der großformatigen Arbeiten von Christoph Bouet sind noch taufrisch. Der Künstler lebt und arbeitet in Gommern. Seine Bilder zeigen die Natur aus seinem Lebensumfeld. Expressive Töne und ein überaus üppiger Farbauftrag scheinen im Doppelpack wie ein Markenzeichen Bouets. Fast reliefartig wachsen die Bilder regelrecht in den Raum. Sie verlassen ihre Zweidimensionalität, um plastisch zu wirken. Da setzt einer Leidenschaft und Energie ein, um die Motive festzuhalten. Christoph Bouet sucht die direkte Auseinandersetzung mit ihnen. Er sitzt eher selten im Atelier, vielmehr sucht er den direkten Kontakt, will das Gesehene ohne Umwege über einen Skizzenblock auftragen. Manche Farbentube verschlingen die Bilder. Sie gewinnen ihre eigentümliche Kraft gerade aus dieser Herangehensweise. Die Bilder wirken abstrakt und sind doch realistisch. Das scheinbare Flächen- und Linienspiel gibt ohne Umschweife seine Geheimnisse preis. Die Farbschichten geben Sinneseindrücke wieder, die emotionaler kaum sein können. Die "Stürmische See" lässt Wind und Wetter regelrecht spüren während die "Mohnblumen" zu einer Sinfonie aus roten und blauen Tönen verschmelzen. Es sind vor allem die warmen Farben, die der Maler mag. Selbst ein schlichter Parkweg wird zum beeindruckenden Bild, überzeugt in der Umsetzung durch seine mit kräftigen und breiten Strichen umgesetzten einzelnen Elemente. Stillleben lassen Schlichtheit spüren und bei ihnen bleibt der Maler seiner Geradlinigkeit treu. Da kommen durchaus Parallelen beispielsweise an den Leipziger Maler Hartwig Ebersbach in den Sinn, der erst im Frühjahr im "Himmelreich" ausstellte. Auch der hat ein Faible für Farbschichten und eine gewisse Abstraktion. Die geistige Nähe ist spürbar, zumal der "Vater der DDR-Wilden" in jüngster Zeit die Landschaft für sich entdeckt hat. Bouet kleckert nicht, er klotzt. Mit sicherer Hand setzt er in seinem fahrbaren Freiluftatelier - gut, dass es für solche Aktionen das Auto gibt - Akzente, will seinen eigenen Genuss anderen anbieten, ihn ausleben und dokumentieren. Dafür bedarf es der Exklusivität des vorgefundenen Ortes, in der näheren und weiteren Umgebung des eigenen Wohnortes, aber auch in Ahrenshoop und andernorts. Der gebürtige Hallenser begann seine künstlerische Ausbildung im Zeichenunterricht bei Wilhelm Paulke an der Volkshochschule Magdeburg. Die Natur als Ausgangspunkt praktischer künstlerischer Umsetzung war bei dem Altmeister angesagt. Der einstige Lehrer an der Magdeburger Kunstgewerbe- und Handwerkerschule sah sich Naturstudien verpflichtet. Pflanzen, Tiere oder der menschliche Körper galten an der traditionsreichen Bildungseinrichtung als Mittel zum Zweck. Studien waren dort unverzichtbar, wollten als handwerkliche Grundlage im besten Wortsinn verstanden sein. Diese Ansicht wird Paulke auch an Bouet vermittelt haben. Mit dieser soliden Basis ging der heute 38-Jährige an die Burg Giebichenstein nach Halle und studierte Malerei bei Professor Ronald Paris. Seit 2000 arbeitet er freischaffend.
Die Ausstellung mit Bildern von Christoph Bouet ist in der Magdeburger Galerie Himmelreich noch bis zum 3. August zu sehen.